Immenstadt

Montag 23.03.2026:

Vor einem Monat feierte ich meinen 50. Geburtstag. Anlässlich dieses bedeutsamen Ereignisses plante ich, diesen speziellen Tag mit einem besonderen Erlebnis zu bereichern. Aus diesem Grund entschloss ich mich, eine Lauschtour zu unternehmen. Da ich bislang keine geeigneten Dichtungen für meine Wasserflaschen finden konnte, nutzte ich die Gelegenheit, um diese zu organisieren. Um 8.00 Uhr öffnete der kleine, jedoch hervorragend sortierte Handwerkerladen Eisenwaren Welte in Grassau. Dort findet man nahezu alles, was im Alltag benötigt wird, einschließlich der Dichtungen, die ich suchte. Ich war angenehm überrascht, dass ich nicht einmal selbst nachmessen musste, um den passenden Durchmesser der Dichtungen zu ermitteln – sie waren perfekt auf die jeweiligen Einsatzzwecke abgestimmt. Dies illustriert eindrucksvoll die Bedeutung des lokalen Einzelhandels. Sollten Sie jemals in Grassau verweilen und Handwerkerbedarf benötigen, können Sie dort alles erwarten, was Sie brauchen. 

Die vor Ort angebotene Beratung ist vorzüglich, und das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt ebenfalls.

Nach dem erfolgreichen Erwerb von Dichtungen für meine Wasserflaschen kann ich nun meine Flaschen ohne Schwierigkeiten auf Reisen mitnehmen. An diesem Montagmorgen trat ich jedoch ohne sie die Reise an. Ich nahm den Zug um 08:56 Uhr nach München. Dank der DB-Navigator App war ich informiert, dass ich am Münchener Hauptbahnhof etwa eine Stunde Aufenthalt haben würde. Daher entschied ich mich, in München-Ost auszusteigen, um dort die Gelegenheit zu nutzen und in Ruhe einen köstlichen Latte Macchiato zu genießen.

Da ich über ausreichend Zeit verfügte, begab ich mich zu einer nahegelegenen Postsfiliale, um die Aktivierung einer SIM-Karte durch eine Identitätsüberprüfung mittels Post-ID vorzunehmen. Leider war dies in dieser Filiale nicht möglich. Man empfahl mir, zur Post am Hauptbahnhof in München zu gehen, um die erforderliche Überprüfung durchführen zu lassen. Da ich erst seit kurzem in Bayern ansässig bin, ist es jedoch schwerig mir, den Standort zu beschreiben. Ich bin mir nicht im Klaren darüber, wo sich der frühere Eingang zum Hauptbahnhof befindet, und der Mitarbeiter war nicht in der Lage, mir den Weg so zu erläutern, dass ich ihn hätte finden können. Es schien, als hätten wir beide zu wenig Kenntnisse über die Örtlichkeiten, sodass wir letztlich lediglich nur Bahnhof verstanden. Folglich blieb mir nichts anderes übrig, als nur so zum Hauptbahnhof zu fahren ohne die Postfiliale dort zu suchen.

Am Hauptbahnhof angekommen, hatte ich ausreichend Zeit, um zu meinem Gleis zu gelangen, und schlenderte mit Ruhe dorthin. Als ich am Gleis ankam, begegnete ich einer lebhaften Gruppe junger Menschen, die an diesem Montagmorgen zu einer Klassenfahrt nach Lindau am Bodensee aufbrachen. Ihre gute Laune übertrug sich auch auf die anderen Reisenden in Richtung Lindau. Der RE 70 nach Lindau-Reutin fuhr pünktlich ein, was allen die Möglichkeit gab, in aller Ruhe einzusteigen und sich einen Platz zu suchen. Die Schüler entschieden sich, im vorderen Zugteil Platz zu nehmen, um näher am Zielbahnhof anzukommen, was ihnen einen längeren Weg in Lindau ersparte. Ihre Lehrer delegierten geschickt die Aufsicht über die Schüler und trafen entsprechende Entscheidungen.

Leider hatte ich das Unglück, in einen Zugteil zu steigen, in dem sich kurz vor der Abfahrt eine Dame mit ihrem Ehemann über das Telefon unterhielt und dies ununterbrochen bis nach Immenstadt. Es bleibt mir ein Rätsel, warum solche Personen anscheinend nie in Funklöcher geraten. Wenn man selbst einmal telefonieren möchte, ist ein Funkloch plötzlich nicht mehr auszuschließen. So ist es nun einmal.

Was mir an der Strecke ins Allgäu von München aus besonders gefällt, ist die Möglichkeit, bei gutem Wetter die fernen Alpen aus dem Zug zu betrachten. Bei widrigen Wetterverhältnissen hingegen fühlt sich die Fahrt an wie eine Achterbahnfahrt. Es entsteht ständig der Eindruck, dass der Zug aus den Gleisen springen könnte, bedingt durch die engen Kurvenradien. Dieser Effekt wird zusätzlich durch die Schräge der Schienen und die entsprechende Neigung des Zuges verstärkt. Diese beiden Aspekte machen eine Reise ins Allgäu bereits äußerst lohnenswert. Auch die natürliche Landschaft mit ihren Reizen überzeugt: Man fährt an kleinen Wäldern, Seen und Bächen vorbei, und selbst die kleinen Orte bezaubern durch ihre typische Architektur.

Aufgrund einiger Baustellen entlang der Strecke verlängert sich die Reise nach Immenstadt. Zudem kommt es zu Zugausfällen in Richtung anderer Zielorte entlang der Strecke. Der Bahnhof Immenstadt ist momentan nur eingleisig befahrbar, was selbstverständlich zu Engpässen bei der Abfertigung der Passagiere führt.

Mit lediglich vier Minuten Verspätung erreichte ich zufrieden Immenstadt und wurde Zeuge, wie eine Gruppe junger Menschen nach dem Unterricht zum Bahnhof eilte, um von dort aus ihre Rückreise anzutreten. Es war bemerkenswert zu beobachten, dass deren Verhalten kaum von dem meiner eigenen Generation in diesem Alter abwich. Daher ist es für mich nicht nachvollziehbar, warum viele Zeitgenossen meines Alters wiederholt das Urteil fällen, die Jugend von heute sei schlecht und unerzogen. Anscheinend haben sie ihr eigenes Verhalten aus den Augen verloren. Diese Beobachtung inspiriert mich jedoch fortwährend. Es ist jedoch unerlässlich, die signifikanten Unterschiede zwischen meiner Jugend und der heutigen Zeit zu berücksichtigen. Die Herausforderungen, mit denen junge Menschen heutzutage konfrontiert sind, sind in der Tat anspruchsvoll, und die Welt hat sich nicht vereinfacht. Dies ist jedoch der Preis der Globalisierung. Außerdem sind wir durch soziale Medien sowie die vernetzte Nachrichtenwelt mit einer Flut von Informationen konfrontiert, die es erheblich erschwert, relevante Inhalte korrekt zu filtern.

Um jedoch zu meiner Reise zurückzukehren: Direkt am Bahnhof in Immenstadt hatte ich die Gelegenheit, meine Post-ID-Überprüfung abzuschließen und meine SIM-Karte zu aktivieren.

Somit konnte ich mich meiner Lauschtour durch eine der ehemals kleinsten Residenzstädte Bayerns widmen. Der Ausgangspunkt ist der Marienplatz, auf dem sich ein Schloss befindet, welches eher einer schlichten Ausführung eines Schlosses ähnelt. Das Bauwerk präsentiert sich in seiner Einfachheit. Heute beherbergt es unter anderem ein Restaurant sowie eine Event- und Kulturlocation.

Der Marienplatz stellt das pulsierende Zentrum der Stadt dar. Hier gruppieren sich zahlreiche einladende Cafés und Restaurants, die den Besucher anziehen. In unmittelbarer Nähe erstreckt sich die Fußgängerzone, die mit einem vielfältigen Angebot an Einzelhandelsgeschäften und Filialen die Besucher begeistert. Direkt neben der Stadtbibliothek ist zudem ein gut erhaltenes Stück der Stadtmauer zu finden.

Bis in die 1990er Jahre beherbergte Immenstadt eine der größten Brauereien im Allgäu, die Kaiser-Brauerei, welche auf ein Brauhaus der Grafen zurückgeht. Leider wurde diese Brauerei abgerissen. Als bleibende Erinnerung steht am Bräuhausplatz ein bronzenes Gespann mit Bierfässern und einer von Pferden gezogenen Kutsche. Hier trifft man auch auf die weithin bekannte Statue des Biertrinkers, die auf zahlreichen Selfies in Immenstadt abgebildet wird. Aber Immenstadt ist nicht ausschließlich für seine Braukunst bekannt: Der Viehseid, ein feierlicher Viehabtrieb, bei dem die Kühe von den Alpen ins Tal zurückgeführt werden, stellt ein bedeutendes Ereignis im Festkalender dar. Am dritten Samstag im September versammeln sich Tausende, um das Schauspiel zu erleben, während Hunderte Rinder durch die Stadt getrieben und am Scheidplatz ihren Besitzern übergeben werden. Diese Festivitäten ehren sowohl die Landwirte als auch die Alpenwirte. Zudem ist Immenstadt die einzige Stadt in Deutschland, die noch einen traditionellen Viehscheid feiert.

In Bayern und im Allgäu sind selbstverständlich die Kirchen und Klöster von großer Bedeutung. Ein Beispiel ist die Pfarrkirche St. Nikolaus. Der markante Zwiebelturm symbolisiert die großen Vorbilder der prächtigen Barockkirchen Italiens und repräsentiert die Macht der katholischen Kirche – ein faszinierender Kontrast zu den schlichten evangelischen Kirchen. Ein Besuch dieser Kirche lohnt sich sowohl aufgrund der beeindruckenden Architektur als auch um im Innenraum Ruhe und Kraft zu finden, um die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Die Kapuziner hatten in der Stadt ein Kloster, dessen liebevoll gestalteter Garten heute die Stadtbevölkerung zum Verweilen einlädt. Früher diente der Klostergarten den Mönchen nicht nur zur Andacht und Meditation, sondern auch zum Anbau von Gemüse und Kräutern zur Eigenversorgung.

Vor der Klosterkirche St. Joseph befindet sich ein Denkmal eines Kapuzinermönchs, der zwei Kindern Brot überreicht. Dieses Denkmal erinnert an das Engagement der Mönche für die Bevölkerung; bis in die 1980er Jahre lebten Kapuziner in Immenstadt.

Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Erzählungen der Stadt empfiehlt sich ein Besuch im Museum Hofmühle. Bitte beachten Sie die Öffnungszeiten, die von Mittwoch bis Sonntag von 14:00 bis 17:00 Uhr sind.

Während meines Spaziergangs durch die Stadt fielen mir die beeindruckenden Gebäude und Plätze ins Auge. Die Atmosphäre war entspannt, und die Menschen, denen ich begegnete, waren durchweg freundlich und hilfsbereit. An der Klosterkirche gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich mit köstlichem Kaffee und Kuchen zu versorgen und die Erlebnisse der Stadt zu reflektieren. Auch am Marienplatz finden sich viele geeignete Einkehrmöglichkeiten. Besonders faszinierend war der Anblick: Während der Frühling in der Stadt bereits spürbar war, konnte man auf den Bergen noch den Schnee erkennen. Dieser Kontrast ist ein typisches Merkmal Bayerns.

Am frühen Abend entschloss ich mich, nach München zurückzukehren. Ich war etwas überrascht, als ich am Bahnhof einen Transporter mit der Aufschrift „Kampfmittelbeseitigung“ wahrnahm. Angesichts der weitläufigen Baustelle unmittelbar am Bahnhof ist es nicht ungewöhnlich, dass gelegentlich Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt werden. Glücklicherweise war der Bahnhof nicht gesperrt, und ich konnte meine Rückreise wie vorgesehen antreten.

Den sonnigen Tag im Allgäu werde ich zweifellos lange in Erinnerung behalten.

Besonders prägend waren die kleinen Geschichten, die ich mit den jungen Menschen sowie einer Verkäuferin erlebte. Es war nicht unübersehbar, dass die Verkäuferin schwanger sei.

An dieser Stelle möchte ich ihr eine reibungslose Geburt wünschen und viel Erfolg bei der Erziehung des bald kommenden neuen Erdenbürgers.